Das erste Mal ausziehen
Die erste eigene Wohnung ist Freiheit mit Nebenkosten. Der ehrliche Guide für den großen Schritt.
Die Budget-Wahrheit
Miete ist nur der Anfang: Kaution (3–6 Monatsmieten!), Strom/Gas, Internet, Haushaltsversicherung, GIS, Einrichtung. Faustregel fürs Wohnen gesamt: maximal 40 % des Nettoeinkommens. Einmalkosten zum Start realistisch: € 2.000–5.000 – Kaution frisst das meiste.
Grundausstattung mit System
Woche 1 braucht: Bett, Kühlschrank, Waschmöglichkeit, zwei Töpfe, Grundwerkzeug, Duschvorhang. Alles andere darf wachsen – gebraucht kaufen (Verlassenschaften, Flohmärkte, Familie!) spart Hunderte. Wir geben es weiter: Bei Entrümpelungen gerettete Möbel finden über uns neue Erstwohnungen.
Behördenwege des Erwachsenwerdens
Meldezettel binnen 3 Tagen (Hauptwohnsitz!), Strom anmelden vor Einzug, GIS, gegebenenfalls Wohnbeihilfe prüfen (Länder-Sache, einkommensabhängig). Die Post vom Amt ab jetzt: selber öffnen. Willkommen.
Der Umzug: klein, aber echt
Vom Kinderzimmer in die Garçonnière ist ein Kleinumzug – ab € 240 mit Profi-Team, oft günstiger als Transporter plus Pizza-Schulden. Eltern-Bonus: 10 % Studierendenrabatt, wenn ein Ausweis existiert.
Anfänger-Fehler, die Geld kosten
Die Klassiker aus der Praxis – alle vermeidbar:
- Bücher in Riesenkartons bis 30 Kilo gepackt – das trägt niemand in den 4. Stock
- Möbel gekauft, bevor die Wohnung vermessen war – der Kasten passt nicht unter die Schräge oder durch die Tür
- Internet erst nach dem Einzug bestellt – auf den Techniker wartet man oft zwei bis drei Wochen
- Keine Lampen eingeplant – Wiener Mietwohnungen kommen häufig mit nackten Fassungen daher
Wer diese vier Punkte kennt, startet entspannter als die halbe Konkurrenz am Wohnungsmarkt – und günstiger obendrein.
Die Besichtigung: worauf Profis schauen
Vor der Zusage lohnt der Praxis-Check, den Aufgeregte gern vergessen: Wasserdruck in der Dusche testen, Steckdosen pro Raum zählen (der Altbau ist da traditionell knausrig), Handyempfang in allen Zimmern prüfen, Fenster öffnen und ein paar Minuten auf den Straßenlärm horchen.
Dazu die Umzugs-Brille: Wie breit sind Stiegenhaus und Wohnungstür? Gibt es einen Lift, ein Kellerabteil, einen Fahrradraum? Wer das vorher weiß, kalkuliert Möbelkauf und Übersiedlung realistisch – und erlebt am Einzugstag garantiert keine böse Überraschung zwischen Türstock, Stiege und Treppenpodest.
Was der Wiener Altbau von Erstmietern verlangt
Türbreite vor Sofabreite
Bevor Sie das gebrauchte Sofa aus dem Internet zusagen, messen Sie die schmalste Stelle auf dem Weg. Das ist im Altbau fast nie die Wohnungstür, sondern die Kastentür im Vorzimmer oder die Kurve am Podest. Ein Zweisitzer mit 190 Zentimetern Länge kommt durch fast jedes Stiegenhaus, ein Ecksofa mit fixem Rahmen oft nicht mehr um die letzte Kehre.
Der Zwischenstock zählt mit
Wenn im Vertrag zweiter Stock steht, sind es in einem Zinshaus aus der Gründerzeit häufig fünf Treppenläufe: Hochparterre, Mezzanin, dann erst die gezählten Stockwerke. Für den Preis und für den Nachmittag macht das einen spürbaren Unterschied. Sagen Sie am Telefon deshalb lieber die Zahl der Stiegen als die Zahl im Mietvertrag, dann stimmt die Planung von Anfang an.
Aufzug heißt nicht Aufzug
Viele nachträglich eingebaute Lifte in Altbauten halten im Halbstock und fassen zwei Personen mit einem Karton. Ein zerlegtes Bett passt hinein, eine Waschmaschine nicht. Prüfen Sie bei der Wohnungsbesichtigung Innenmaß und Tragfähigkeit auf dem Schild in der Kabine. Das ersparte Stiegensteigen ist der Grund, warum manche Übersiedlung zwei Stunden kürzer dauert.
Die letzte Woche vor dem Einzugstermin
Sieben Tage vorher ist der richtige Zeitpunkt, um Strom anzumelden und den Termin für die Halteverbotszone fixieren zu lassen, denn beides braucht Vorlauf und kostet nachträglich Nerven. Fünf Tage vorher packen Sie alles, was Sie nicht täglich brauchen, also Bücher, Geschirr, Winterjacken. Zwei Tage vorher kommt die Waschmaschine an die Reihe, sie muss abgesteckt sein und die Trommel gesichert, sonst schlägt sie beim Tragen innen an.
Am Vorabend packen Sie eine Tasche, die im Auto mitfährt und nicht im Fahrzeug: Ladegeräte, Duschzeug, ein Satz Kleidung, Klopapier, Werkzeug für das Bett. Diese Tasche entscheidet darüber, ob der erste Abend in der eigenen Wohnung angenehm oder mühsam wird. Der Rest darf ruhig ein paar Tage in Kartons bleiben, solange die Wege frei sind und die Kartons nicht vor dem Fenster stehen.
Häufige Fragen
Was vergessen Erstauszieher am häufigsten?
Werkzeug, Putzzeug, Mistkübel – und die Haushaltsversicherung (ab ca. € 5–10/Monat, deckt auch Wasserschaden beim Nachbarn: wichtig!). Alles unspektakulär, alles am ersten Tag gebraucht.
Hauptwohnsitz oder Nebenwohnsitz anmelden?
Wer wirklich dort lebt: Hauptwohnsitz – daran hängen Parkpickerl, Wahlrecht, Beihilfen. Die Details stehen im Artikel Haupt- vs. Nebenwohnsitz.
Brauche ich für mein erstes WG-Zimmer wirklich eine Firma?
Ehrliche Antwort: nicht immer. Wer nur Kleidung, Bücher und einen Schreibtisch besitzt und Zugriff auf ein Elternauto hat, schafft es selbst. Sobald Bett, Kasten und ein 4. Altbau-Stock ohne Lift dazukommen, rechnet sich das Profi-Team schnell – gerade mit Studierendenrabatt. Bei der gratis Besichtigung sagen wir auch offen, wenn Sie uns nicht brauchen.
Zahlt sich eine Halteverbotszone für eine Garçonnière aus?
In Gründerzeitvierteln mit Kurzparkzone fast immer. Ab € 140 steht das Fahrzeug direkt vor der Tür statt eine Gasse weiter, und jeder Karton wandert einmal statt dreimal. Bei einer Garçonnière um € 390 ist das ein spürbarer Anteil am Preis, spart aber oft mehr als eine Stunde Tragezeit an einem heißen Tag.
Wie viele Kartons braucht die erste eigene Wohnung?
Für eine Garçonnière mit Kleiderschrank, Küche und Regal reichen erfahrungsgemäß fünfzehn bis fünfundzwanzig Kartons, dazu zwei große Taschen für Bettzeug. Kartons kosten ab € 3,50 pro Stück. Nehmen Sie eher kleinere Kartons für Bücher und größere für Polster, sonst hebt am Ende niemand die Bücherkiste allein vom Boden hoch.
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