Große Möbel: erst messen, dann schleppen
Das Sofa, das im 4. Stock nicht um die Ecke geht, ist ein Klassiker. Zehn Minuten Maßband verhindern ihn.
Was gemessen wird
Am Möbel: Länge, Breite, Höhe – und die Diagonale, denn gekippt gewinnt man Zentimeter. Am Weg: schmalste Türstock-Breite, Stiegenlauf samt Podest-Tiefe, Liftkabine (Tür! Tiefe! Höhe!), enge Gänge und Geländer-Überstände.
Der Diagonalen-Trick
Ein 220-cm-Sofa passt durch eine 200er-Lücke – gekippt und gedreht, wenn die Diagonale des Querschnitts kleiner ist als die Öffnung. Deshalb scheitern Laien oft an Möbeln, die Profis „durchtanzen“: Erfahrung ersetzt hier viel Rechnerei.
Wenn es rechnerisch nicht passt
Optionen in dieser Reihenfolge: zerlegen (auch Sofas haben oft abschraubbare Füße/Lehnen), Fenster + Möbellift, im Extremfall Verkauf statt Transport. Bei der Besichtigung messen wir kritische Stücke nach und sagen vorher, welche Option wirtschaftlich ist.
Wiener Maße: Altbau ist nicht Neubau
Gründerzeithäuser wirken großzügig – hohe Flügeltüren, breite Gänge. Die Falle lauert dahinter: Kabinette, Gangküchen und Bad-Zugänge sind oft unter 70 Zentimeter schmal, und mancher Windfang knickt zweimal ab. Messen Sie deshalb nicht nur die Eingangstür, sondern jede Tür auf dem Weg zum Zielraum.
Im Neubau ist es umgekehrt: Türen meist 80 Zentimeter, dafür Deckenhöhen um 2,50 Meter – hohe Kästen und Betthäupter scheitern hier am Kippen beim Aufstellen. Faustregel: Möbelhöhe plus Diagonale des Sockels muss unter der Deckenhöhe bleiben. Notieren Sie alle Werte gesammelt im Handy.
Auch das Ziel vermessen: der Stellplan
Ob das Sofa durch die Tür passt, ist die halbe Frage – ob es im neuen Raum sinnvoll steht, die andere. Messen Sie drüben Wandlängen, Fensterbrüstungen, Heizkörper und Steckdosen und skizzieren Sie den Grundriss auf Papier.
Bewährter Trick: Möbelumrisse mit Malerkrepp am Boden der neuen Wohnung abkleben und einmal „probewohnen“. So zeigt sich vor dem Umzugstag, ob die Schrankwand den Lichtschalter blockiert – und die Träger stellen jedes Stück gleich an den richtigen Platz statt zweimal. Den fertigen Plan bekommt der Teamleiter als Foto.
Die Maße, die fast niemand nimmt
Das Türblatt stiehlt Zentimeter
Ein Türstock mit achtzig Zentimeter Rohmaß hat mit eingehängtem Blatt oft nur rund fünfundsiebzig frei, weil die Tür auch offen im Weg steht. Messen Sie deshalb immer die lichte Weite bei geöffneter Tür. Alte Wiener Zimmertüren hängen auf Bändern und lassen sich in wenigen Minuten aushängen, das bringt genau die Zentimeter, die dem Kasten fehlen.
Füße, Rollen und Sockel
Die Höhe auf dem Datenblatt gilt meist ohne Füße. Bei einem Sofa mit Holzfüßen, einem Bürosessel mit Rollen oder einem Kasten mit Sockelleiste kommen acht bis zehn Zentimeter dazu, und genau daran scheitert die Rechnung an der Liftdecke. Schrauben Sie die Füße vorher ab, das geht bei den meisten Polstermöbeln von Hand und macht das Stück sofort handlicher.
Die letzten Meter zum Fahrzeug
Gemessen wird bis zur Ladekante, nicht bis zur Wohnungstür. Zwischen Stiegenhaus und Fahrzeug liegen im Zinshaus oft ein Windfang mit zwei Flügeln, eine Stufe am Haustor und ein enger Durchgang zum Innenhof. Ein Kasten, der durch alles andere passt, kann am Haustor scheitern, weil sich der zweite Flügel seit Jahren nicht mehr öffnen lässt.
In einer halben Stunde durchgemessen
Messen Sie rückwärts, vom Zielraum bis zum Fahrzeug: Zimmertür, Vorraum, Wohnungstür, Stiegenlauf mit Podest, Haustor, Gehsteig. Immer die lichte Weite, also von Kante zu Kante des freien Durchgangs, und immer zweimal, einmal oben und einmal unten. Altbaustöcke stehen selten im Lot, und die schmalste Stelle liegt fast nie dort, wo man sie vermutet. Ein starrer Zollstock ist dabei ehrlicher als ein Lasermessgerät, das an schrägen Leibungen springt.
Fotografieren Sie den angelegten Zollstock, statt nur die Zahl zu notieren, dann ist später nachvollziehbar, wo gemessen wurde. Danach kommen die Möbel dran, wobei die vier größten Stücke genügen. Nehmen Sie Schubladen, Glasböden und Türen vorher heraus, das ändert Gewicht und Maß spürbar. Kleben Sie auf jedes kritische Stück einen Streifen mit dem Zielraum, und zeigen Sie bei der Besichtigung genau diese Stücke und die schmalste Stelle am Weg.
Häufige Fragen
Was kostet ein Möbellift-Einsatz?
In Wien je nach Dauer und Genehmigung ab etwa € 150–250 – oft billiger als eine Stunde Sechs-Mann-Gezirkel im Stiegenhaus, und deutlich billiger als ein zerkratztes Treppenhaus.
Übernehmt ihr die Demontage sperriger Möbel?
Ja – zerlegen, transportieren, wieder aufbauen gehört zum Standard. Auch Schwebetürenschränke und Boxspringbetten, siehe Möbel ab- und aufbauen.
Welche Möbel bleiben am häufigsten stecken?
Aus der Praxis, in dieser Reihenfolge: Sofas mit fester Rückenlehne, amerikanische Kühlschränke, Boxspring-Unterbauten, montierte Schrankwände ab drei Metern und alte Vollholz-Schreibtische. Bei allen fünf gilt: vorher melden, dann planen wir Demontage oder Möbellift gleich ins Angebot ein. Das erspart allen Beteiligten die teure Überraschung am Umzugstag selbst.
Wie messe ich eine enge Wendelstiege?
An der schmalsten Stelle, also innen am Auge der Stiege, und zusätzlich die Durchgangshöhe unter dem darüberliegenden Lauf. Diese Höhe ist bei Wendelstiegen die eigentliche Grenze, weil ein hoher Kasten beim Kippen oben anstößt. Messen Sie außerdem den Abstand zwischen Handlauf und Wand, dort bleibt oft weniger frei als am Boden.
Darf für ein sperriges Stück das Geländer abgeschraubt werden?
Nicht von uns. An der Bausubstanz und an fest verbauten Teilen im Stiegenhaus arbeiten wir nicht, dafür brauchen Sie einen Fachbetrieb, und die Zustimmung der Hausverwaltung wäre ohnehin nötig. In den meisten Fällen ist das auch gar nicht der richtige Weg, denn ein Möbelstück zu zerlegen dauert kürzer als jede Demontage am Haus.
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